Bacopa – einige Neuheiten und alte Bekannte

Gepostet von am Dez 15, 2009 in Alle Kategorien, Pflanzen-Steckbrief | Keine Kommentare

Bacopa – einige Neuheiten und alte Bekannte

Aquarienpflanzen der Gattung Bacopa erfreuen sich seit Jahren größter Beliebtheit. Die meisten Arten dieser Gattung sind robust, einfach zu halten und sehr langlebig.

Bacopa sp. "Purple" and B. crenata

Bacopa sp. "Purple" und B. crenata

Während die Arten B. caroliniana und B.monnieri in vielen Aquarien zu Hause sind, wird B. lanigera nur selten gehalten. B. crenata, eine herrliche Art, wird nicht über den normalen Handel vertrieben und ist daher ebenfalls selten. B. madagascariensis ist ebenfalls fast nie im Handel zu haben. B. spec. ’Purple’ ist so neu, dass ich sie hier erstmalig vorstellen darf.

Das Wollige Fettblatt (Bacopa lanigera)

Bacopa lanigera

Bacopa lanigera

Zuerst möchte ich mit einem Vorurteil aufräumen, nämlich dem, dass B. lanigera, das Wollige Fettblatt, schwierig zu halten sei. Es ist zwar richtig, dass das Wachtum unter Wasser nur langsam ist und die Pflanze auch nur sehr spärlich Wurzeln treibt. Dennoch ist die eigentliche Pflege problemlos und die Pflanze macht selten Sorgen. Es werden weder besondere Ansprüche an die Wasserbeschaffenheit gestellt (ich betreibe allerdings alle meine Aquarien mit 90% reinem Regenwasser, da das Stadtwasser in Münster zu hart für die Aquaristik ist), noch scheint der Nährstoffbedarf besonders hoch zu sein. Das Einzige, was man beachten sollte, ist, dass eine starke Beleuchtung von Vorteil ist. Das Wollige Fettblatt verliert schnell die Blätter an den unteren Bereichen der Stängel, was bei zu geringer Beleuchtung noch ausgeprägter sein dürfte. Aufgrund dieser Neigung empfehle ich einmal wöchentlich das neu Stecken nach holländischem Vorbild und die Verwendung im Mittelgrund. So können die unteren Teile der Stängel von halbhohen Vordergrundpflanzen verdeckt werden (z.B. Hygrophila corymbosa ’Kompakt’). Durch das recht häufige neu Stecken wird das Wollige Fettblatt außerdem nie so hoch, das es für den Hintergrund geeignet wäre. Also eine perfekte Mittelgrund-Pflanze, die man unbedingt einmal gepflegt haben sollte. Eine besondere EIgenschaft des Wolligen Fettblattes sind seine immer hellgrünen, runden Blätter, die selbst bei stärkster Beleuchtung niemals ins Rötliche tendieren.

Das Gekerbte Fettblatt (Bacopa crenata)

Bacopa crenata

Bacopa crenata

Wieder ein Vertreter der Gattung mit hellgrünen Blättern, die ebenfalls nicht die Neigung haben, im Lichte starker Lampen zu erröten. Das Grün ist sogar besonders blass, was den Eindruck von Frische erzeugt, der besonders in Naturaquarien beliebt ist. Die Wurzelbildung beim Gekerbten Fettblatt ist stark ausgeprägt und die Pflanze gedeiht am besten auf einem eisenhaltigen, guten Aquarienbodengrund. Interessanterweise signalisiert die Pflanze durch verdrehte oder gekrümmte Blätter, wenn es ihr an etwas fehlt. Geht es ihr gut, ist die submerse Form von der emersen nicht zu unterscheiden. Eine starke Beleuchtung ist notwendig, um diese Pflanze dauerhaft zu pflegen. Sie kann sowohl im Hintergrund als auch im Mittelgrund eingesetzt werden. Zu häufiges Kürzen ist nicht anzuraten, ist aber aufgrund des relativ gemächlichen Wachstums auch nicht unbedingt notwendig. Will man sie vermehren, sollte man rechtzeitig Stecklinge setzen, damit die im Boden verbleibenden Stängel noch wenigstens zwei bis vier Blätter besitzen. Es geht auch mit weniger – dauert aber.

Das Madagascar-Fettblatt (Bacopa madagascariensis)

Bacopa madagascariensis

Bacopa madagascariensis

Mein persönlicher Favorit. Obwohl das Madagascar-Fettblatt dem Kleinen Fettblatt (B. monnieri) sehr ähnlich sieht, hat es doch einige Eigenschaften, die ich sehr schätze, die das kleine Fettblatt nicht besitzt: Der Wuchs ist immer aufrecht, auch unter starkem Licht. Dabei ist das Wachstum etwas langsamer als bei B. monnieri, was bei der Pflege natürlich ein Plus ist. Eine Eigenschaft schätze ich aber besonders und das ist die Form der Blätter: Sie sind niemals gedreht oder am Rand eingerollt, so wie das beim Kleinen Fettblatt der Fall ist. Das etwas steife Aussehen wird durch den relativ dicken Stängel und die im Verhältnis dazu relativ kleinen Blätter hervorgerufen und es ist gerade dies, was das Madagascar-Fettblatt zu einer wunderbaren Akzentpflanze macht.

Das Weinrote Fettblatt (Bacopa spec.‘Purple’)

Bacopa purple macro

Bacopa purple Makro

Die Ähnlichkeit mit dem Großblättrigen Fettblatt (B. caroliniana) lässt zwar auf eine Verwandschaft schließen, dies ist aber zumindest bis zur endgültigen Klärung der Artzugehörigkeit eine Vermutung. Das Weinrote Fettblatt bleibt auch etwas kleiner alsB. caroliniana und hat nicht nur unter Starklicht sondern immer einen besonders intensiven Farbton, den zu beschreiben mir schon fast das poetische Talent fehlt.

Bacopa spec "Purple"

Bacopa spec "Purple"

Jedenfalls findet sich in den Blättern jeder Farbton von einem tiefen Weinrot bis zu frischem Hellgrün wieder. Interessanterweise macht dies das Weinrote Fettblatt nicht nur zum geeigneten Kontrastmittel als “Farbtupfer” sondern einen ebenso guten Begleiter von rotlaubigen Pflanzen. Das Bild oben zeigt eine wie ich finde gelungene Kombination mit Ludwigia aff. glandulosa.

Südliches Fettblatt (Bacopa australis)

Bacopa australis

Bacopa australis

Die für eine Bacopa eher untypisch aussehende Pflanze ist noch relativ neu, hat sich aber sehr schnell einen festen Platz in der Pflanzenaquaristik erobert. Die dünnen Stängel, der krautige Wuchs und die runden, hellgrünen Blätter lassen auf den ersten Blick eher an eine größere Form vom Perlenkraut (Micranthemum umbrosum) denken. Tatsächlich ist B. australis aber viel einfacher zu pflegen, toleriert ein großes Spektrum an Wasserwerten und -Temperaturen und kommt mit viel oder wenig Licht aus. Wenn man allerdings ein wirklich kompaktes, dichtes Wachstum haben will, sollte man gut beleuchten. Das Südliche Fettblatt braucht etwas Zeit, um richtig Fuß zu fassen, aber wenn es erst einmal angewachsen ist, muss man es jede Woche beschneiden. Ist der Bestand einmal auf ein kräftiges Polster angewachsen, wird man Mühe haben, die Form durch normalen Rückschnitt dauerhaft zu halten, so dass ein etwas radikalerer Beschnitt von zeit zu Zeit nicht zu vermeiden ist. Leider braucht diese Art dann etwas, um sich vom Zurückschneiden zu erholen. Wenn man die Mühe nicht scheut, kan man auch das ganze Polster herausnehmen und die einzelnen Köpfe wieder neu einpflanzen.

Bacopa australis

Bacopa australis

Eine der hervorragendsten Eigenschaften dieses Fettblattes ist es, wirklich dichte, man könnte fast sagen, blickdichte Bestände zu bilden, die vom Vordergrund bis zum Hintergrund ansteigen können. Es gibt fast keine andere Art, sie so positiv auf das Trimmen per Schere reagiert. Das macht sie zu einer sehr geeigneten Art für Holländische Pflanzenstraßen.


Copyright der Bilder : Stephan Mönninghoff

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