Besuch in Holland

Gepostet von am Nov 15, 2011 in Alle Kategorien, Reisen | Keine Kommentare

Besuch in Holland

Hier einige schöne Beispiele Holländischer Pflanzenaquarien, die ich für einen Vortrag gesammelt habe. Auf der Suche nach den formalen Gestaltungsregeln und Tricks bei der Komposition hat mich Jaap Liefting, Mitglied des NBAT freundlicherweise mitgenommen auf eine kleine Tour, bei der wir drei erfahrene Aquarianer besucht haben. Die Aquarien sind alle nach den Regeln des NBAT für “Gezelschapsaquarien” gestaltet. Falls der geneigte Leser des Niederländischen mächtig ist, kann er sich hier über die Regeln informieren. Wenn in Deutschland und dem Rest der Welt von “Hollandaquarium” gesprochen wird, dann meint man eigentlich ein bepflanztes Aquarium. In Holland gehören aber viele Faktoren zur Konzeption und Bewertung eines Gesellschaftsaquariums. Dass es üppig bepflanzt ist, ist dabei eigentlich selbstverständlich. Natürlich wird bei der Bewertung auf die Bepflanzung geachtet und es gibt Regeln dafür, aber es ist eben nur ein Teil der Gesamtbewertung. Es werden nämlich zum Beispiel auch Kriterien wie Entwicklung und Gesundheit der Fische, Zusammenstellung der Wirbeltiere und Wirbellosen, Technik und Sicherheit berücksichtigt und diese Kriterien erzielen bei der Bewertung ebenso Punkte wie die Bepflanzung.

Die fotografierten Aquarien waren zum Zeitpunkt der Aufnahme noch nicht “perfekt”, weil die landesweite Heimschau, die aus den Gewinnern der Bezirksheimschauen einen Gesamtsieger ermittelt, erst zwei Wochen nach meinem Besuch statt gefunden hat und die Pflanzen teilweise erst gerade neu gesteckt worden waren, damit sie genau richtig stehen, wenn die Juroren anwesend sein würden. Trotzdem war jedem einzelnen Becken sofort anzusehen, dass ein erfahrener Aquarianer seine Hand im Becken hat.

Jaques de Jong

Zuerst besuchten Jaap und ich Jaques de Jong. Jaques wurde zu dem Zeitpunkt als aussichtsreicher Kandidat für einen der ersten Plätze der Landesheimschau gehandelt. Das Aquarium steht im Wohnzimmer und ist, wie es in Holland üblich ist, von einem selbstgebauten Schrank umgeben, der sich perfekt in das Wohninterieur integriert.

 

Jaques de Jong

Aquarium von Jaques de Jong

Die Nahaufnahme zeigt ein sehr ausgewogen bepflanztes Aquarium mit einer kleinen “Straße” aus Lobelia cardinalis “Mini” und einer gegenläufig dazu angelegten Kiesstraße. In der Mitte eine Gruppe aus Cryprocoryne x willisii. Jaques hat nur ganz normale Pflanzen verwendet, die man seit vielen Jahren kennt und trotzdem ist das Ergebnis überzeugend. Die grüne Tigerlotus rechts setzt einen herrlichen Akzent und ist geschickt hinter einer Wurzel platziert um einerseits die Blattstiele zu kaschieren und andererseits den beschatteten Platz unter der Pflanze nicht leer zu lassen. Das Taxiphyllum Moos auf dem Holz verträgt gut den Schatten und hellt durch seine dunkelgrüne Farbe nicht den bewusst gesetzten dunklen Fleck auf. Die Blyxa aubertii bildet mit ihren dunkelgrünen, grasartigen Blättern maximale Kontraste zur grünen Tigerlotus.

Hollandaquarium Nahaufnahme

Hollandaquarium Nahaufnahme

Die roten Akzente werden links von Ludwigia aff. glandulosa (Ludwigia repens “Rubin”) gesetzt. Im Hintergrund Rotala rotundifolia und rechts Ammania gracilis. Auch die Bacopa caroliniana setzt noch einen warmen Akzent. Typisch für holländische Aquarien hier auch die links und rechts hochwachsenden Pflanzen,  die die Szene einrahmen und von den Ecken ablenken sollen. Meistens wird auf einer Seite eine girlandenförmige Pflanze verwendet und eine damit kontrastierende Blattform. Hier wurde Myriophyllum aquaticum und Vallisneria spiralis genommen. Übrigens sieht man hier deutlich, dass es eine gängige Praxis ist, zwischen den Gruppen eine Handbreit Platz zu lassen, um sie deutlich voneinander abzusetzen.

Bart Laurens

Dieses 3m Becken steht auf dem Dachboden “zwischen” einer Sammlung (indonesischer?) Holzfiguren. Sicher ist so ein Aquarium der Traum vieler Pflanzenbegeisterter und es erfordert schon einiges an Konsequenz, eine ganze Wand einem Aquarium zu widmen. Das Ergebnis überzeugt allerdings. Leider habe ich vergessen, Bart zu fragen, wie er das Becken dort hochbekommen hat…

Aquarium von Bart Laurens

Aquarium von Bart Laurens

Dieses Becken wird von einigen sehr großflächig angelegten Vordergrundgruppen eingefasst. Die Bacopa monnieri “Typ2″ war gerade neu gesteckt worden. Wer so etwas regelmäßig macht, weiß, wieviel Arbeit das ist. Beeindruckend auch eine bis in den Mittelgrund ansteigende Gruppe von Hygrophila balsamica, die in diesem Becken gesund und schön wuchs.

Hygrophila balsamica

Hygrophila balsamica

Natürlich war auch hier Lobelia cardinalis “Mini” anzutreffen. Ich gebe zu, dass dies auch sicherlich die geeignetste Art für die Holländische Straße ist, die wir haben. Leider sieht man Saururus cernuus, die erste Pflanze mit der jemals eine Straße angelegt wurde, nur noch selten. Angeblich soll das daran liegen, dass sie bei den heutigen technischen Möglichkeiten einfach zu groß wird… (Übrigens wurde diese erste Straße nach meinen Informationen auf einer Aquarienausstellung in der holländischen Stadt Leiden vor vielen Jahren gezeigt, was auch der Grund für den Namen “Leidseplantje” ist).

Ganz rechts ist ein Solitär aus Echinodorus horizontalis zu sehen. Dieser Echinodorus wird auch unter optimalen Bedingungen nur halbhoch und wächst nicht so rasant schnell, wie die meisten Echinodoren, was ihn heute sehr geeignet als Solitär macht.

Übrigens hat Bart eine tolle Webseite!

Johan van de Werve

Das Aquarium bildet den Fokuspunkt im Wohnzimmer. Ein in technischer und ästhetischer Hinsicht beeindruckendes Becken. Als Solitär fiel sofort eine Nymphaea micrantha auf. Aber auch eine niedrige Gruppe Limnophila aromatica war ein echter Hingucker. Alle Pflanzen wuchsen sehr gesund und prächtig. Als Straße kam neben Blyxa japonica wieder Lobelia cardinalis “Mini” zum Einsatz. Die seltene aber sehr schöne Ottelia ulvaefolia gibt es nicht im Handel. Auch nicht bei uns – leider. Aufgrund ihrer zerbrechlichen Blätter wird sie für den Handel nicht in Gärtnereien gezogen und verbreitet sich ausschließlich über Tauschbörsen. Dieses Becken wird links von einer Gymnocoronis spilanthoides und rechts durch eine Wand, die dicht mit Taxyphyllum barbieri bewachsen ist, eingerahmt.

Aquaium von Johan van de Werve

Aquarium von Johan van de Werve

Sowohl das Aquarium als auch der Schrank sind selbstgebaut. Das Besondere dabei: Beim Aquarium ist nur die Frontscheibe aus Glas. Der Rest ist laminiertes Holz. Das war auch für mich ein echtes Novum. Außerdem ist das Aquarium trapezförmig gebaut, so dass es sich nach hinten erweitert. Das Resultat ist eine sehr große Tiefenwirkung und dadurch “unsichtbare” Ecken. Der schwere Deckel wird von zwei Gasdruckfedern angehoben. Es gibt zwei Dreiergruppen von T8 Lampen, die in der Mitte überlappen, so dass dort die Beleuchtung am hellsten ist. Die Blyxa cf. vietii scheint es durch sehr üpigen und dichten Wuchs zu danken!

Beleuchtung

Starke Beleuchtung ist das Geheimnis des Holländischen Pflanzenaquariums

Da dieses Aquarium hauptsächlich im Sitzen betrachtet wird, ist es konsequenterweise niedrig aufgestellt. Das stellte den Erbauer vor das Problem der Unterbringung für die Aquarientechnik. Da die Bewertungskriterien des NBAT auch sehr auf Technik und Sicherheit achten und Provisorien mit Punktabzug geahndet werden, wurde kurzerhand passend gemacht, was nicht passte und die Technik halb im Boden versenkt.

Technik

Technik

Filter, CO2 Anlage und sogar eine Umkehrosmoseanlage mit Tank befinden sich also unsichtbar im Boden versenkt unter den Becken.

Ich werde mich wohl demnächst selbst beim NBAT anmelden, um meine Becken einer Heimschau zu unterziehen. Glücklicherweise ist es bis Enschede nur ein Katzensprung und ich hoffe, ich werde einen Bezirksverein finden, der mich als Mitglied aufnimmt und bereit ist, für die Bewertung meines Beckens nach Greven zu reisen.

Das Holländische Pflanzenaquarium wird langsam aber sicher zu einer seltenen Spezies. Hatte der NBAT in den 80er Jahren noch um die 30.000 Mitglieder, so sind es heute noch gerade mal 3.200. Ich finde, das ist immernoch viel aber es zeigt, dass sich die meisten jüngeren Aquariander lieber dem Naturaquarienstil widmen. Das ist zum Teil verständlich, denn man kann mit viel kleineren Becken arbeiten und es ist alles erlaubt. Trotzdem wäre es schade, wenn die holländische Form der Aquaristik irgendwann in Vergessenheit geraten würde, weil sie als verstaubt und altbacken gilt.

Vielen Dank an alle, die mich bereitwillig ihr Aquarium haben fotografieren lassen, allen voran aber Jaap Liefting, ohne den ich wohl keines der Becken zu Gesicht bekommen hätte!

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