Cryptocorynenkrankheit

Gepostet von am Okt 4, 2009 in Alle Kategorien, Probleme u. Katastrophen | Keine Kommentare

Cryptocorynenkrankheit

Cryptocorynen gelten gemeinhin als Anfängerpflanzen. Insbesondere die Arten aus Sri Lanka wie C. wendtii, C. walkeri, C. beckettii und C. undulata gedeihen noch unter den vermeintlich schlechtesten Bedingungen (ich habe die erbärmlichen Becken in Vorzimmern oder der Dönerbude um die Ecke leider nie fotografiert).

Es gab eine Zeit, wo ich dachte, “Anfängerpflanze” bedeutet, dass diese schönen Pflanzen wirklich nur Anfängern gelingen und der echte Profi damit Schwierigkeiten hat, denn ich hatte damals erhebliche Probleme mit den Wasserkelchen: Nachdem ich sie eingesetzt hatte trieben sie einige neue Blätter, die dann aber bald abfaulten und sich nie ein fesselnder Bestand bilden konnte.

Irgendwann habe ich herausgefunden, dass es daran lag, dass ich es einfach zu gut gemeint hatte: Bei einer Wasserhärte von 14-21°dH in Münster (je nach Jahreszeit) hatte ich viel zu viel CO2 zugeführt, um den pH Wert auf unter 7 zu drücken. Wenn man davon ausgeht, dass 35 mg/l CO2 die Obergrenze sein sollen, hatte ich ca. 90 mg/l CO2 im Wasser gelöst. Das führt bei Cryptocorynen der oben beschriebenen Arten quasi sofort zum Zerfall. C. crispatula var. balansae, die ich im selben Becken hielt, hat diese extremen Wasserwerte allerdings problemlos verkraftet.

Diese Reaktion auf Umwelteinflüsse ist als “Cryptocorynenkrankheit” bekannt, weil man früher glaubte, dass es sich um eine Krankheit handelt. “Cryptocorynenfäule” ist also wohl richtiger.

Seit ich mit Regenwasser arbeite und den pH Wert um 6.95 halte, geht es gut mit den Cryptocorynen und es hat sich ein herrlicher Horst von C. wendtii ‘Grün’ gebildet.

Cryptocoryne wendtii "Green"

Cryptocoryne wendtii "Green"

Leider ist dieser herrliche Bestand doch von der Cryprocorynenfäule dahingerafft worden. Allerdings aus anderen Gründen. Zur Zeit experimentiere ich mit einem neuen Dünger, der relativ viele Makronährstoffe enthält. Man sagt allgemeinhin, dass der Phosphatgehalt im Aquarienwasser 0,25 mg/l nicht überschreiten sollte. Durch meine Test hatte ich den Phosphatgehalt unvorsichtigerweise auf das Zehnfache dieses Wertes angehoben. Einige Pflanzen reagierten mit löcherigen Blättern – insbesondersHygrophila Arten und Staurogyne waren stark betroffen. Ich vermute, dass der hohe Phosphatgehalt des Wassers die Aufnahme von Eisen gehemmt hat und daher Mangelerscheinungen hervorrief.

Deficiency signs in Staurogyne

Mangelsymptome bei Staurogyne

Den Phosphatgehalt habe ich durch Wasserwechsel über etwa 6 Wochen allmählich wieder abgesenkt. Das hat der Staurogyne sehr gut getan und sie hat sich fast völlig erholt.

Staurogyne repens

Staurogyne repens

Leider ist der gesamte Bestand der Cryptocoryne wendtii ’Grün’ volkommen zusammengebrochen. Interessant dabei war, dass die Auflösung der Blätter erst anfing, als ich den Phosphatgehalt senkte. Welche physiologischen Prozesse hier ein Rolle spielen ist mir nicht klar.

Melting Cryptocoryne wendtii

Verfaulte Cryptocoryne wendtii

Nun ist auch die Cryptocoryne crispatula var balansae betroffen und hat begonnen, sich aufzulösen. Eine im selben Becken wachsende C. beckettii ist wiederum gesund, was möglicherweise daran liegt, dass diese Art weniger anfällig ist. Dies ist allerdings nur eine Vermutung.

gesunde Cryptocoryne beckettii

Gesunde Cryptocoryne beckettii

Ich weiß von anderen Aquaristen, dass auch eine Veränderung der Lichtwerte die Cryptocorynenfäule auslösen kann. Daher soll man Leuchtstoffröhren niemals auf einmal wechseln, sondern nach und nach jeweils nur eine Röhre austauschen. Auch Wasserwechsel sollen die Cryptocorynenkrankheit auslösen können.
Letzteres habe ich vor meinen Düngerexperimenten nicht beobachten können. Zerfall nach Wasserwechsel tritt möglicherweise auf, wenn das Wasser lange nicht gewechselt wurde und viele Fische vorhanden sind. Dann würde ein großer Teilwasserwechsel einen ähnlichen senkenden Effekt auf die im Wasser gelösten Makronährstoffe haben.

Sicher ist jedenfalls, dass man immer versuchen sollte, die Wasserwerte stabil zu halten, um Wasserkelche nicht zu gefährden.


Copyright der Bilder : Stephan Mönninghoff

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