Erfolgreich Algen bekämpfen

Gepostet von am Jul 13, 2011 in Alle Kategorien, Probleme u. Katastrophen | Keine Kommentare

Erfolgreich Algen bekämpfen

Eine kurze Anleitung zur Vermeidung von Algen in Süßwasser-Aquarien

Ich selber habe lange mit Algen gekämpft. Mehr als einmal war ich kurz davor, die Aquaristik deswegen aufzugeben. Heute sehe ich etwas klarer. Ich habe immer wieder dieselben Fehler gemacht. Wenn es um Algenbekämpfung geht, gibt es Dinge, die man tun und solche, die man besser lassen sollte. Und es gibt kleine Helfer. Über die Nützlinge werde ich im zweiten Abschnitt sprechen. Nun zuerst einige wichtige Dinge zum Thema Wasser.

Alternanthera reineckii

Gesunde Pflanzen zeigen keinen Algenwuchs. (Alternanthera reineckii)

“Ein Aquarium ist eine Kunstform, und die Kunst liegt eben darin,
etwas zu erschaffen, was das Vorbild Natur nicht wissenschaftlich, sondern auf poetische Weise
interpretiert. Das, was dem Gefäß an Weite fehlt, möchten wir durch perfektionierte Details auflösen.”

Was hat Wasserqualität mit Algenwuchs zu tun?

Die einfache Antwort ist: Viel, aber nicht immer so, wie man meint. Selbstverständlich ist die Wasserqualität ein entscheidender Faktor bei der Entstehung und der Art der Algen im Aquarium. Aber was genau ist Wasserqualität eigentlich? Jedes Aquarienhandbuch trichtert es uns ein: Hohe Nitrat- und Phosphatwerte, gemeinsam mit anderen Makronährstoffen, fördern den Algenwuchs. Warum aber lese ich so oft Aussagen wie diese:

“Alle meine Wasserwerte sind gut. Ich habe null Nitrat,
null Phosphat, 0,1mg/l Eisen, 25mg/l CO2 und sehr
viele Pflanzen. Trotzdem habe ich <Blaualgen>.”

(Ersetzen Sie <Blaualgen> nach Belieben mit jeder anderen Algenart.) Niemand wundert sich, wenn in belastetem Wasser trotzdem keine Algen wachsen, ist aber empört, wenn Algen in vermeintlich gutem Wasser überhand nehmen. Ich werde nicht im Detail auf einzelne Algenarten und ihre bevorzugten Lebensbedingungen eingehen: Dies haben Andere bereits hervorragend dokumentiert. Ich kann nur versuchen, zusammenzufassen warum es zu Algenwuchs kommt und wie man ihn eindämmen kann. Dabei werde ich meine eigenen 30 Jahre aquaristischer Praxis natürlich interpretierend mit einfließen lassen. (OK, netto sind es wohl eher 25, denn auch ich war zwischendurch mal “trocken”).

Gesunde Pflanzen nehmen den Algen die Lebensgrundlage

Natürlich ist es zuallererst wichtig, sein Aquarienwasser zu pflegen und kontrolliert Makronährstoffe zuzugeben bzw. zuzulassen. Dazu gehören auch Phosphor und Stickstoff. Dies ist sogar eine Voraussetzung für ein algenfreies Aquarium. Es hat Sinn, sich bewusst zu werden, dass Aquarienpflanzen diese Nährstoffe benötigen um zu wachsen und mit den Algen zu konkurrieren. Dies haben Sie sicher auch bereits gelesen, oder? “Bieten Sie Ihren Pflanzen genügend Nährstoffe, damit sie schneller wachsen, als die Algen”. Nur, wie kann ich meinen Pflanzen genügend Nährstoffe bieten, ohne gleichzeitig die Algen zu füttern?

Blyxa japonica

Selbst mittelstark wachsende Pflanzen wie Blyxa japonica können vollkommen algenfrei gehalten werden.

Wie kann man also das Düngeprogramm anpassen um diesen scheinbaren Widerspruch zu überwinden? Es hat sich gezeigt, dass eine stoßweise Düngung von Makronährstoffen eine effektive Dosiermethode ist. Meine Empfehlung: Düngen Sie mit Makronährstoffen zwei Tage vor dem Wasserwechsel. Aquarienpflanzen können eine gewisse Menge dieser Elemente dem Wasser entziehen und speichern. Der Rest wird dann mit dem Wasserwechsel weiter verdünnt. Algen müssen ständig wachsen und bauen die Makronährstoffe in neues Gewebe ein. Während sie sicher für kurze Zeit von der erhöhten Nährstoffkonzentration profitieren können, werden sich die Pflanzen am Ende doch durchsetzen. Außerdem sind die Konzentrationen von N und P, die im Wasser vorliegen müssen sehr gering!

In manchen Regionen enthält das Leitungswasser allerdings bereits über 25mg/l Nitrat. Das ist schon recht viel und bedeutet, dass kein extra Stickstoff mehr dem Wasser hinzugefügt werden muss. Am Besten, man passt das Mischverhältnis des Düngers an das Ausgangswasser an, um kein Ungleichgewicht zu haben. Was außerdem berücksichtigt werden muss ist dass Algen beim Zerfall die in ihnen enthaltenen Nährstoffe wieder an das Wasser abgeben. Daher ist ein regelmäßiger Wasserwechsel wichtig. Bei (fast) algenfreien Aquarien reicht in etwa 1/4 Wasserwechsel pro Woche, darf aber natürlich auch gerne mehr sein. Sind Algen vorhanden, muss der Wasseraustausch mindestens doppelt so hoch sein. Benutzen Sie auf keinen Fall sogenannte Algizide. Chemische Kriegsführung wird entweder die Pflanzen mit töten oder aber gar nichts bewirken!

Bernd Kaufmann gibt in seinem Buch “Algenfibel Aquarium” einen detaillierten Fahrplan zur Bekämpfung von Blaualgen:

  1. Einen starken Wasserwechsel durchführen
  2. Durchlüftung mit Membranpumpe und Ausströmerstein
  3. CO2 abstellen
  4. Das Aquarium für sechs bis sieben Tage vollständig verdunkeln (Licht aus und abdecken)
  5. Nur wenn Jungfische vorhanden sind, jeden zweiten Tag vorsichtig etwas füttern.
  6. Bei sehr starkem Befall am dritten oder vierten Tag ein Wasserwechsel von 50%. Dabei  Lichteinfall vermeiden.
  7. am sechsten oder siebten Tag Beleuchtung wieder einschalten
  8. Sofort an zwei aufeinander folgenden Tagen einen Wasserwechsel (90%!) durchführen

(Kaufmann führt aus, dass bei Weglassen des Punktes 8 die gesamte Maßnahme voraussichtlich scheitern wird.)

Läuft das Aquarium (wieder) algenfrei bzw. algenarm, sollte man versuchen, die Mikronährstoffe gleichmäßig zuzugeben und dadurch stabil zu halten. Diese Düngestrategie funktioniert als Prävention und sorgt langfristig für Stabilität und gesunde Pflanzen. Selbst in Aquarien, die starken Algenwuchs zeigen wird sie am Schluss zu besserem Pflanzenwuchs und wenig oder keinen (sichtbaren) Algen führen.

Bei allem. was es zu Makro- und Mikronährstoffen zu sagen gibt darf Eines nicht vergessen werden: Der wichtigste Dünger für Pflanzen ist das CO2! In Starklichtaquarien wird CO2 sehr schnell zum wuchslimitierenden Faktor und die Pflanzen fangen an, das im Wasser gelöste Kalziumkarbonat (CaCO3) aufzubrechen und damit als Kohlenstoffquelle zu erschließen. Dieser Prozess ist recht teuer für den Organismus und wird bei einigen der Pflanzen zu einer Verlangsamung des Wuchses führen. Gleichzeitig nützt dies den Algen, die viel besser an das Verwerten von CaCO3 angepasst sind, da sie eine rein aquatische Lebensform sind. Kaufmann (2010)(*2) gibt an, dass Algen außerdem von dem bei der Umwandlung von CaCO3 entstehenden CaO (Kalk) profitieren, indem sie es in ihre Zellstruktur integrieren und dadurch zusätzlichen Schutz vor Algenfressern aufbauen.

Bei vielen der heute verwendeten Aquarienpflanzen hingegen handelt es sich um Sumpfgewächse, die unter Aquarienbedingungen zwar jahrelang submers gedeihen, aber dafür auch eben gute Voraussetzungen benötigen. Bei all den Vergleichen mit der Natur, die in der einschlägigen Aquarienliteratur unermüdlich herangezogen werden (und die natürlich oft auch ein wichtiger Anhaltspunkt sind) sollte man nicht vergessen, dass wir unsere Pflanzen nicht natürlich, also mit Lochfraß, vertrockneten Stellen und eben Algen haben wollen, sondern perfekt und präsentabel.

Rotala macrandra

Sauerstoffblasen an Rotala macrandra zeugen von hohem CO2 Verbrauch

Bitte verstehen Sie diese Tipps und Ratschläge, besonders in Bezug auf die CO2-Düngung, nicht als Grundregeln der allgemeinen Aquaristik: Es gibt wunderschöne Beispiele ohne CO2 und mit wenig Licht aber dabei geht es um eine völlig andere, sehr extensiv betriebene Art von Aquarien.

Algen schaffen ihr eigenes Milieu

Gesunde und kräftige Pflanzen werden es eher schaffen, den Algen davonzuwachsen, weil sie leichter frei verfügbare Nährstoffe binden und sich ein Milieu schaffen können, was ihren eigenen Bedürfnissen entspricht. Dasselbe gilt auch für Algen: Wenn man sie einmal hat, ist es schwer, sie wieder los zu werden, weil sie sich ihr eigenes Milieu laufend erhalten. Übrigens ist einer der Gründe warum man oft vermeintlich gute Wasserwerte aber trotzdem viele Algen hat, dass viele der Nährstoffe als organische Masse gebunden in den Algen vorliegen. Daher auch die empfohlenen radikalen Wasserwechsel: Zerfallen die Algen, setzen wiederum Nitrifikationsprozesse ein, die die Eiweiße in den Algen zu anorganischen Stickstoffverbindungen umbauen. Der Wasserwechsel spült diese Abbauprodukte wieder aus dem Aquarium heraus.

Man kann natürlich versuchen, einen Teil der Algen abzusaugen oder mit dem Kescher herauszuholen, aber der Großteil wird zu fest sitzen um sich auf diese Weise entfernen zu lassen. Trotzdem sollte man versuchen, wenigstens die Scheiben des Aquariums sauber zu halten. Es ist die einfachste und auch eine effektive Methode um ein algenfreundliches Milieu zu verhindern. Außerdem hilft es Ihnen, die Schönheit hinter den Algen wieder zu erahnen!

Die nützlichen Helfer: Algenfressende Fische und Wirbellose

Meiner Erfahrung nach hat man fast immer einige Algen, auch bei regelmäßigem Wasserwechsel, sorgfältiger Dosierung der Nährstoffe und guter Beleuchtung. Als Perfektionist will man natürlich dasselbe perfekte Aquarium wie die vorderen Ränge der internationalen Aquarienwettbewerbe es vormachen. Algenfreie Pflanzen mit glänzenden Blättern, auf denen nichts stört, was nicht dorthin gehört. Schließlich muss man sich auch klar machen, dass ein Aquarium eine Kunstform ist, und die Kunst liegt eben darin, etwas zu erschaffen, was das Vorbild Natur nicht wissenschaftlich, sondern auf poetische Weise interpretiert. Das, was dem Gefäß an Weite fehlt, möchten wir durch perfektionierte Details auflösen.

Wenn man sich die meisten siegreichen Pflanzenaquarien ansieht, dann wird man immer feststellen, dass dort kleine Helfer aktiv sind, die von Algen leben. Diese nützlichen Geister sind eine große Unterstützung bei der Schaffung eines algenfreien Aquariums. Es gibt verschiedene algenliebende Tiere, jedes mit seinen ganz eigenen Charakteristika. Ich stelle sie hier kurz mit ihren jeweiligen Vorzügen vor:

Die “Amanogarnele”, Caridina multidentata

Caridina multidentata

Caridina multidentata ist ein hervorragender Algenfresser

Vielleicht eine der bekanntesten Algenfresser. Die Amanogarnele hält ein breites Spektrum von Algen kurz, darunter die allermeisten Grünalgen. Diese unermüdlichen und fleißigen Zupfer machen sich nicht nur über Aufwuchs her, sondern beseitigen auch Futterreste und unentdeckt verstorbene Fische. Ich würde heute kein Aquarium mehr ohne sie anfangen. Man sollte allerdings die Menge richtig bemessen. Zu viele dieser kleinen Knabberer werden auf zartere Pflanzen als Nahrungsquelle ausweichen, sobald die Algen knapp werden. Andererseits sind zu wenige Garnelen nicht effektiv genug und richten unter den Algen kaum Schaden an. Wieder ein schönes Beispiel dafür, dass man als Aquarianer Gespür für die Menge braucht. Als Faustregel kann man sagen, dass man etwa eine Garnele pro 7 Liter Wasser braucht, aber keine Regel ohne Ausnahmen.

Siamesische Rüsselbarben

Es gibt verschiedene Arten von Siamesischen Rüsselbarben und nicht alle sind zur Algeneindämmung geeignet. Hier ein nützlicher Artikel über die Unterscheidung der gängigsten algenfressenden Cypriniden. Ich pflege seit etwa drei Jahren einen noch nicht weit verbreiteten Vertreter der Gattung, Crossocheilus reticulatus, den “Pinselalgenfresser” und ich muss sagen dass es absolut erstaunlich ist, wie dieser Fisch selbst die hartnäckigsten Rotalgen dauerhaft zum Verschwinden bringt. Rotalgen sind schwierig zu bekämpfen und kommen auch in gut gepflegtem Wasser immer mal wieder vor. Sie bestehen aus sehr feinen, kurzen Büscheln schwarzer Fäden und bedecken im Laufe der Zeit Blätter langsam wachsender Pflanzen und Dekorationsgegenstände. C. reticulatus macht sich sowohl über diesen Typ als auch über die sich schleimig anfühlende Bartalge her, die etwas größer ist und aus der Nähe betrachtet eine Geweih-ähnliche Struktur hat.

Die Reticulatus-Rüsselbarbe ist etwas schmucklos aber leicht am schwarzen Punkt an der Basis der Schwanzflosse zu erkennen.

Crossocheilus reticulatus

Dieses Stück Deko-Holz wurde von C. reticulatus komplett von Pinselalgen gesäubert.

Ein viel weiter verbreiteter Typ ist der Siamesische Algenfresser. Ich habe erst seit einigen Wochen drei dieser Tiere in einem Aquarium, wo ein paar Pinselalgen angefangen haben, sich zu entwickeln und es ist noch zu früh, etwas über ihren Wirkungsgrad zu sagen, da die Fische noch sehr klein sind. Daher muss ich mich auf das verlassen, was ich selber gelesen habe. Ich werde aber beizeiten diesen Artikel um meine Erfahrungen mit dieser Art erweitern.

Crossocheilus siamensis

Crossocheilus siamensis

Otocinclus affinis

Diese kleinen Welse sind großartig, um den Pflanzen das perfekte Aussehen zu verleihen. Ich habe nie beobachten können, dass ein Otocinclus Wels Pflanzen beschädigt. Im Gegenteil: Pflanzen scheinen diese kleinen Wesen zu lieben und werden besonders schön sobald die Welse in das Becken gegeben werden. Unglücklicherweise reisen diese Fische nicht gerne und es gibt immer wieder Verluste zu verzeichnen, bis sich die Tiere voll eingewöhnt haben.

Otocinclus affinis

Otocinclus affinis raspelt schonend

Falls Sie ein Nano-Aquarium oder überhaupt ein Aquarium unter 200l Ihr Eigen nennen, dann sollten Sie übrigens besser auf die Siamesischen Rüsselbarben verzichten, denn sie werden schlicht zu groß für Becken unter 150 cm Kantenlänge-

Fazit

Algen loszuwerden bedeutet immer, viele Faktoren “genau richtig” einzustellen. Genau das macht es schwierig: Es ist ein Balanceakt. Zu viel von etwas ist oft schädlich und zu wenig nützt auch nichts. Man muss aber auch daran denken, dass ein Aquarium ein lebendes Ding ist und nicht z.B. wie ein Computer einfach in Betrieb genommen werden kann. Ein gutes Auge und etwas Beobachtungsgabe wird helfen, die richtigen Mengen zu erkennen. Und letztendlich sollte man sich auch nicht von Rückschlägen entmutigen lassen. Wen man die Kunst des algenfreien Aquariums einmal beherrscht, kann man dieses wirklich schöne Hobby erst richtig genießen.


Literatur:
1: Hans-Georg Kramer, Pflanzenaquaristik à la Kramer
2: Bernd Kaufmann, Algen-Fibel Aquarium

Alle Bilder Copyright Stephan Mönninghoff

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