Fraßschäden an Aquarienpflanzen

Gepostet von am Jul 7, 2011 in Alle Kategorien, Probleme u. Katastrophen | Keine Kommentare

Fraßschäden an Aquarienpflanzen

Löcher in Blättern und abgefressene Aquarienpflanzen

Wenn Nützlinge zu Schädlingen werden: Immer wieder kommt es vor, dass Kunden sich melden weil sie festgestellt haben, dass Pflanzen plötzlich Löcher und durchsichtige Stellen bekommen. Natürlich kann dies viele Ursachen haben, auch Mangel an Nährstoffen, ungünstige Bedingungen im Aquarium etc.
Oftmals ist die Ursache aber Fraß durch Tiere. Unter den Wirbellosen ist besonders Caridina multidentata, die “Amano Garnele” einer der üblichen Verdächtigen. Fische wie Antennenwelse aus der Gattung Ancistrus aber auch zu groß gewordene Crossocheilus reticulatus können ebenfalls die Pflanzen schädigen und haben dabei ihren eigenen Modus Operandi: Fraßschäden sehen je nach Verursacher anders aus, sind aber auch für bestimmte Pflanzen typisch, denn nicht alle Pflanzen schmecken den Schädlingen gleich gut.

 

Schädigungen durch Caridina multidentata (Amano Garnele)

Amano Garnelen sind mittlerweile in fast allen Aquarien Standardbesatz, weil sie die Algen kurz halten und wohl zu den anspruchslosesten Wirbellosen gehören, die man halten kann. Um wirksam gegen Algen vorgehen zu können, braucht man eine gewisse Anzahl Garnelen. Bei zu geringer Besatzdichte bleibt der algenhemmende Effekt aus.

Die Toxikologie lehrt: In der Dosis liegt das Gift. Ähnlich verhält es sich mit Garnelen. Wenn man also zu viele Tiere einsetzt, hat man den gegenteiligen Effekt und die Pflanzen werden geschädigt.

Als Faustregel gilt: Setzen Sie maximal eine Garnele auf 7 Liter Wasser ein. Je größer der Fraßdruck durch die Garnelen ist, desto weniger Algen stehen zur Verfügung. Hungrige Garnelen fressen alles. Auch gesunde Pflanzen.

Garnelenfraß bei Limnophila spec. "Vietnam"

Garnelenfraß bei Limnophila spec. "Vietnam"

Es gibt eine Ausnahme von dieser Regel: Wenn Hemianthus callitrichoides “Cuba” eingesetzt wird, dann sollte die Besatzdichte noch einmal halbiert werden. Insbesondere in der Anwachsphase ist der Bodendecker sonst gefährdet, vollständig durch die Garnelen abgeweidet zu werden.

Es gibt leider noch eine Ausnahme: Feinfiedrige Rotalas wie Rotala wallichii oder Rotala spec. “Nanjenshan” werden auch bei noch niedrigeren Besatzdichten gefressen. Hier muß noch einmal auf eine Garnele pro 25 Liter reduziert werden. Man erkennt Garnelenfraß an Rotalas dadurch, dass nur noch Stängel übrig bleiben. Von den Blättern ist meist schon nach kurzer Zeit nichts mehr übrig.

 

Fraß durch Antennenwelse (Ancistrus spec.)

Oft über Nacht kommt es zu Fraß durch Antennenwelse, die mit ihrem starken Saugmaul Pflanzenblätter abraspeln und dabei durchlöchern. Interessanterweise kann es eine Zeit gut gehen bevor die Welse entdecken, dass z.B. Echinodorus Pflanzen eigentlich eine willkommene Abwechslung zum sonstigen Speiseplan sind. Charakteristisch für Fraß durch Antennenwelse ist das Schädigen der Blätter beidseitig des Mittelnervs.

Fraßschaden an Echinodorus

Fraßschaden an Echinodorus

Wochen- und monatelang steht ein Becken prächtig und plötzlich haben einige Pflanzen Löcher. Oft passiert das auch direkt nach dem Einsetzen von neuen Pflanzen weil die Welse durch die Veränderung in der Bepflanzung sofort auf einen Neuzugang aufmerksam werden:

Fraßschaden an Alternanthera

Fraßschaden an frisch eingesetzter Alternanthera

Abhilfe sollen überbrühter Spinat oder Gurkenscheiben im Aquarium bringen. Wer sich am Anblick dieser Ablenkungs-Köder nicht stört, kann es natürlich damit versuchen. Das beste Mittel ist allerdings, Antennenwelse erst gar nicht in ein Pflanzenaquarium einzusetzen.

 

Fraßschäden durch große Crossocheilus Algenfresser

Meine eigenen Erfahrungen mit dieser Gattung von Algenfressern beschränken sich bislang auf Crossocheilus reticulatus, den Pinselalgenfresser. Die als Jungtiere eingesetzten reinen Herbivoren (Pflanzenfresser) werden mit der Zeit immer mehr zu Omnivoren (Allesfresser). Das bedeutet einerseits, dass ihr Interesse an reiner Algenkost schwindet, andererseits aber auch, dass außer fleischlicher Kost auch höhere Pflanzen zur Bereicherung der Diät dieser Fische beitragen.

Fischfraß bei Limnophila aromaticoides

Fischfraß bei Limnophila aromaticoides

Fraßschäden erkennt man an wie abgeclipst wirkenden Blattspitzen. Bevorzugt werden alle weichen Stängelpflanzen, aber auch Helanthium tennellum. Auch hier stehen die feinblättrigen Rotala Arten wieder ganz oben auf der Popularitätsskala. Die hier abgebildete Limnophila Art ist lediglich an zwei Stellen etwas angeknabbert. Besatz hier: Zwei adulte (ausgewachsene) Tiere auf 800 Liter Wasser in einem voll bepflanzten Aquarium.


Copyright der Bilder :

Bild 1&4: Stephan Mönninghoff
Bild 2: Dominic Degel
Bild 3: Patrick Weinhold

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