Meine eigenen Becken: Teil 2 von 3 (Das kleine Aquarium)

Gepostet von am Aug 3, 2011 in Alle Kategorien, Meine Aquarien | Keine Kommentare

Meine eigenen Becken: Teil 2 von 3 (Das kleine Aquarium)

Aquarium 2

Nachdem ich letzte Woche mein erstes, und ältestes Aquarium vorgestellt habe, möchte ich diese Woche einige Bilder und technische Details meines zweiten Beckens hier zeigen. Um diesen Aquarienschrank zu bauen, musste während der Design Phase sehr viel Ausprobiert und experimentiert werden. Dank geht an die Tischlerei Beckmann, die gemeinsam mit mir die Konstruktion dieses Möbels durchlebte.

Hier zunächst eine Gesamtansicht:

Total View

Total View

Und hier eine Frontalansicht mit meinem ersten Versuch des Aquascaping. Als alter Hollandaquarianer habe ich mich mich zuerst schwer getan und die Hardscape ist etwas unbeholfen. Aber ich habe eine Menge dabei gelernt.

After The Thunderstorm

"After The Thunderstorm"(53. Platz in Aquatic Scapers Europe Contest)

Eine meiner Lieblingspflanzen: Hygrophila spec. “Crinkled”. Ich muss diese Pflanze irgendwann mal richtig bestimmen lassen. Falls mir dabei jemand weiterhelfen kann, wäre ich dankbar!

Hygrophila spec. "Crinkled"2

Hygrophila spec. "Crinkled"

Eine nahaufnahme von Urticularia und Staurogyne, die hier den Vordergrund begrünen.

Utricularia graminifolia, Staurogyne repens

Utricularia graminifolia, Staurogyne repens

Man muss sagen, dass diese Art von Aquarienschrank sich besser für Holländische Becken eignet, weil das Aquarium vollständig umbaut ist und nur die Front sichtbar bleibt. Für Naturaquarien gefallen mit vollkommen offene Becken besser. Darum ist dieses Becken jetzt auch wieder ein Holländisches Pflanzenaquarium.

Hier jedenfalls die technischen Details:

Eckdaten

Größe: 130 x 55 x 55 cm.
Wasser: 90% Umkehrosmose, 10% Leitungswasser.
Temperatur: 25,5°C mit einer 1° Reduktion über Nacht. Man liest ab und zu, dass es den Pflanzenwuchs anregen soll. Ich teste noch.
Dünger: Momentan teste ich verschiedene Markendünger mit gemischtem Erfolg. Dies wird sich aber in Kürze ändern. Ich werde anfangen, Estimative Index Düngung zu versuchen. Bericht folgt hier…
CO2: 30mg/l
Licht:Ich dimme die Beleuchtung momentan für dreiStunden über die Mittagszeit. Die Lichtintensität wird von dem GHL Profilux II Computer dann für drei Stunden auf 7% heruntergefahren. Durch die Reduktion der Beleuchtung soll die Oxidation durch stark Sauerstoff produzierende Pflanzen etwas verlangsamt werden und Nährstoffe besser gelöst bleiben. Hier ist die Lichtkurve für dieses Becken:

Beleuchtungsverlauf

Beleuchtungsverlauf

 

 

Filter

Falls Sie den Artikel über mein anderes Aquarium gelesen haben, dann wissen Sie, warum ich offene Filter mag. Genauso hier: Der Filter ist auf derselben Höhe wie das Aquarium. Dadurch ist Zugang und Wartung einfach. Ich habe einfach das Zwei-Säulen-Prinzip weiter verfeinert und die beiden Seiten lassen sich jetzt ganz öffnen. Natürlich kann man diesen Schrank nicht  in einer Ecksituation nutzen…

Dies ist die linke Seite mit geöffneter Säule:

Open filter

Offener Filter

Die Herausforderung bei dieser Konstruktionsweise war, die Schrankseite unterzubringen, die ich brauchte, um den Deckel zu halten (siehe weiter unten). Ich musste also einen extra langen Tankstutzen nehmen, um Aquarium und Filter zu verbinden und die Schrankseite noch dazwischen unterzubringen. Mein Aquarienbauer warnte mich vor dieser Konstruktion weil er befürchtete, dass ein sich setzender Filter irgendwann um den Stutzen herum undicht würde. Bisher ist es gut gegangen aber ich musste eine wirklich großzügige Portion Silikon verwenden, um den Stutzen überhaupt wasserdicht zu bekommen.

Filter Schnitt

Filter Schnitt

Die Pumpe ist unter dem Filter um maximalen Raum für Filtermedien zu lassen. So ist die Pumpe außerdem besser zugänglich, falls mal etwas gesäubert werden muss. Die CO2-Flasche ist ebenfalls auf dieser Seite. Die ersten beiden Filterkammern sind mit Siporax Keramikröllchen gefüllt. Die erste Kammer enthält außerdem die Messelektrode für pH und Temperatursonde, sowie einen CO2-Dauertest. Die zweite und dritte Kammer ist mit blauem Filterschwamm gefüllt und die letzte Kammer enthält nur Filterwatte. Ich weiß, wenn es Zeit ist den Filter zu reinigen, wenn der Wasserstand in der letzten Kammer absinkt. Das ist ungefähr alle 6 Monate. Das gefilterte Wasser wird unter dem Aquarium hergeführt und an der gegenüberliegenden Seite wieder eingespeist, nachdem es den CO2-Reaktor, UV-Klärer, Kühler und Heizer durchlaufen hat.

Schrank

Der Schrank ist aus MDF mit Bambus Furnier bzw. weißem Schleiflack. Der Sockel hat ein Glasfurnier mit weiß lackierter Rückseite. Kühler und GHL Computer sind hinter der Tür untergebracht. Die viel Schubladen brauche ich um Zubehör und Ausrüstung unterzubringen. Sie sind mit “Push-to-Open” Führungen ausgestattet, weil so kein Griff die Frontpartie unterbricht. Allerdings würde ich diese Öffnungsart nicht noch einmal wählen. Wenn man nah am Aquarium steht (was sich bei der Pflege ja kaum vermeiden lässt) werden ständig durch das unbeabsichtigte Drücken mit dem Knie die Schubladen geöffnet. Trotzdem sind die Schubladen an sich viel besser geeignet als Türen mit Fächern, besonders wenn man viel Kleinteiliges zu verstauen hat. (z.B. Pinzetten, Testreagenzien und andere ausgesuchte Paraphernalien).

Hier die rechte Seite, geöffnet. Klicken Sie auf das Bild um die Details lesen zu können.

Rechte Seite - Wasseraufbereitung

Rechte Seite - Wasseraufbereitung

Licht

Als ich dieses Aquarium vor drei Jahren plante waren LEDs fast unerschwinglich und nicht so verfügbar wie heute. Sie sind auch heute noch teuer aber eine mögliche Alternative. Insbesondere, wenn die eigenen Bastelfähigkeiten gut entwickelt sind. Ich musste mich hier also zwischen Metalldampf- oder T5-Lampen entscheiden. Hängelampen waren keine Option, da das Aquarium ja geschlossen sein sollte- eben wie ein klassisches Hollandaquarium. Daher blieb mir nur die T5 Röhre.

Ich hate ja bereits Spiegelreflektoren im Einsatz und außer deren hohem Gewicht kann ich bin heute keine Nachteile feststellen. Daher entschied ich, wieder Spiegel einzusetzen. Dennoch hat diese Abdeckung einige Unterschiede im Vergleich zum Vorgänger:

  • Die Deckscheibe ist aus Acrylglas um Gewicht zu sparen.
  • Wir befestigten das Acryglas nicht permanent am Deckel. Es läuft in einer Nut, um für Röhrenwechsel leicht zur Seite herausgeschoben werden zu können.
  • Es gibt nun einen Ventilator in der Mitte der Abdeckung. Er sorgt sehr effektiv dafür, dass die Abdeckung nicht zu warm wird.
Details Abdeckung

Details Abdeckung

  • Die neue Schrankkonstruktion ließ keine Federn zu, um das Gewicht des Deckels anzuheben. Wir hatten zunächst versucht, standard Küchen-Liftbeschläge zu verwenden, diese erwiesen sich aber als zu schwach um den Deckel anzuheben. Der Meister bei Beckmann kam auf die Idee, im Auto-Zubehörhandel nach etwas passendem zu suchen. Das Ergebnis war, dass wir zwei Gasdruckfedern bestellten, die wir seitlich anbrachten um das Gewicht zu heben.  Hier eine geöffnete Ansicht mit Acrylglas Abdeckung und einer der Gasdruckfedern. Die mittleren beiden Spiegel werden vom Lüfter unterbrochen.
Aquarium Lid

Aquarium Lid

  • Die Beleuchtung ist so effizient, dass ich sie nur gedimmt einsetzen kann. Die beiden vorderen Röhren laufen mit 50% und die hinteren mit 80% Intensität. (Die rötliche Röhre habe ich nicht mehr. Der Effekt war nicht gut auf den Pflanzenwuchs und auf das Aussehen des Beckens.).

Heizung

Unser Haus ist ein Holzständerbau mit Fenstern rundum, die vom Boden bis zur Decke gehen. Kombiniert mit der Tatsache, dass das Haus von 1974 ist, kann man sich vorstellen, wie es auf der Energie-Effizienz-Skala aussieht. Es schafft es nicht mal bis and untere Ende (obwohl die Fenster schon gegen neue, wärmedämmende ausgetauscht wurden). Das bedeutet, dass wir unsere Raumtemperatur im Winder bei gemütlichen 17°C halten. (Was aber, wenn ich drüber nachdenke den positiven Nebeneffekt hat, dass wir selten krank werden). Wie dem auch sei: Aufgrund der niedrigen Wintertemperaturen musste ich über eine wirksame Methode für die Beheizung des Aquariums nachdenken.

Da ich den Heizer nicht im Aquarium selbst haben wollte, war eine Möglichkeit, den Heizer in den Filter zu stecken. In diesem Fall würde das geheizte Wasser durch die Verrohrung unter dem Aquarium und durch die gesamte Technik gepumpt, bis es wieder im Aquarium ankommt. Keine gute Idee. Das geheizte Wasser würde die  CO2-Aufnahme im Reaktor sicher beeinträchtigen. Falls noch etwas von der Wärme übrig gewesen wäre, nachdem das Wasser ja das gesamte System inklusive des Kühlers durchlaufen hätte. Obwohl der Kühler während der Heizperiode natürlich aus ist (weil Heizen/Kühlen ja über den GHL Computer gesteuert wird), hätte sich das Wasser dennoch übe die Kühlrippen verteilt und wäre abgekühlt. Das war also keine wirkliche Option. Die andere Idee war ein externer Durchlauferhitzer. Die normalen, im Handel erhältlichen Externen Regelheizer waren allerdings zu schwachbrüstig um mit der dauerhaft niedrigen Raumtemperatur im Winter fertig zu werden. Außerdem würde sie einfach zu lange brauchen, um das eiskalte Wechselwasser aufzuheizen, welches bis letzten Winter noch aus einer Regentonne im Garten kam und, wenn nicht gar gefroren, dann jedenfalls sehr kalt war.

Also brauchte ich etwas größeres – einen ELECRO Flowline Heizer. ELECRO waren bereit, mir ein modifiziertes Gerät (ohne Temperaturregler) anzufertigen und mir zuzuschicken. Es ist mit einem heftigen 1000W Heizelement ausgestattet und kann in der Verrohrung und – wichtiger – außerhalb des Beckens montiert werden. Unpraktischerweise hat der Heizer einen Fließschalter, der unterhalb einer bestimmten Durchflußgeschwindigkeit (ich meine, es sind 1000l/Std) abschaltet. Es war jedenfalls etwas zu schnell für den beabsichtigten Verwendungszweck und daher habe ich den Schalter kurzerhand überbrückt.

ELECRO Flow Line Heater

ELECRO Flow Line Heater

Soviel also zur Wasser Beheizung.

Ich bin schon früher auf das Thema, ob Bodenheizung nützlich ist oder nicht eingegangen. Zu der Zeit, als ich dieses Aquarium plante, war ich jedenfalls noch der Meinung, eine Substratbeheizung wäre sinnvoll. Trotzdem wollte ich auf gar keinen Fall Kabel im Aquarium haben. Kabel können wirklich lästig sein. Falls man einmal eine große Pflanze, z.B. einen Echinodorus umsetzen oder entfernen muss, werden of die Kabel der Bodenheizung mit den Wurzeln herausgezogen. Ich entschied mich also statt eines Bodenfluters für eine stärker ausgelegte Bodenheizung und statt das Ganze dann im Tank zu befestigen, sollte das Heizkabel unterhalb der Bodenplatte geführt werden. Um das Kabel unterzubringen, musste eine Nut in die Bodenplatte gefräst werden. Da ich zwischen Aquarium und Bodenplatte noch eine Schaumstoffmatte haben wollte, wurde der Schaumstoff zuerst flächig verklebt und die Nut dann mit einer CNC Fräse passgenau in beide Schichten eingefräst. So sieht das Ganze dann aus:

Heated Cabinet Top

Beheizte Bodenplatte

Alle Freunde, denen ich von dem Vorhaben erzählte rieten mir davon ab. Die Bodenplatte würde wegen der Hitze springen. Außerdem wurde ich gewarnt, dass die Bodenplatte ein schlechter Wärmeleiter wäre. Bisher ist nichts gesprungen und der Boden des Aquariums ist schön warm. Toitoi.

Kühlung

In einem Pflanzenaquarium mit viel Licht hat man im Sommer grundsätzlich ein Hitzeproblem. Das bedeutet, man muss entweder einen Ventilator anbringen (was in einem geschlossenen Aquarium nicht geht) oder regelmäßige Wasserwechsel durchführen. Da ich manchmal für einige Tage unterwegs bin, fällt auch die zweite Möglichkeit aus. Als ich in der Planungsphase für dieses Aquarium war, kam Arcadia gerade mit einem neuen Kompressorkühler heraus. Es war etwas kleiner als die meisten anderen Geräte, die ich bislang gesehen hatte und daher entschloss ich mich, dieses Gerät in den Schrank mit einzubauen. Ich war aber weder erpicht auf das Geräusch noch auf das Design dieser Apparatur. Daher gestaltete ich den Schrank so, dass der Kühler in einem Verborgenen Teil hinter der Schalttafel Platz finden würde. Hier eine Fotomontage der Einbausituation:

Chiller Montage

Chiller Montage

Da nun der Kühler innerhalb des Schrankes untergebracht ist, musste sichergestellt sein, dass ein Luftaustausch ungehindert stattfinden kann. Daher wurde ein großer Lufteinlass in die Rückseite des Schrankes eingesetzt und einer in der rechten Tür. Es wurde aber schnell klar, dass die Belüftung noch etwas Unterstützung brauchte. Daher platzierten wir einen zweiten Ventilator direkt hinter dem seitlichen Lufteinlass. Der Hilfsventilator springt an sobald der Kühler läuft, da er vom gleichen Schalter im GHL Computer angesteuert wird. Dies funktioniert absolut fehlerlos und seither haben auch hohe Außentemperaturen ihren Schrecken verloren.

CO2

Hier benutze ich dieselben Geräte, die ich auch in meinen anderen Aquarien verwende: Hörmann CO2-Reaktor mit Magnetventil, verbinden mit einem pH- Mess-und Regelgerät. Ich bin einfach nicht der Blasenzähler-Typ.

Das Switchboard

Ich weiß dass das etwas übertrieben erscheint aber ich libe die zentrale Schalttafel in meinem ersten Aquarium – Kein Rumgefummel mit Steckern und Kabeln und alles ist sauber gebündelt an einem Ort. Es ist also kaum verwunderlich, dass ich auch dieses Aquarium wieder mit einer solchen Schalttafel ausstatten wollte. Das gesamte Teil ist mit der Dosiereinheit und dem GHL Computer hinter der Tür untergebracht:

Switchboard

Switchboard

Dank gebührt Uwe, unserem findigen Elektriker in der Familie, der hieraus ein echtes Kunstwerk gemacht hat. Das gesamte Switchboard kann nach vorne abgezogen werden (daher die zwei Griffe) und aie falsche Rückwand kann entfernt werden um an den Kühler heranzukommen. Die Kabel werden alle in einem so genannten “Harting Stecker” gebündelt, der wiederum von hinten in die Schalttafel eingesteckt ist.

Ich habe hier zwei Dosierpumpen, weil ich in der Lage sein wollte, Makro- und Mikronährstoffe separat zuzuführen. Da man hier nicht mischen darf, braucht man zwei Pumpen. Der Dünger wird direkt in den Wasserkreislauf eingespeist. Hier gebührt Alwin Hörmann Dank, der mir einen Rohrabschnitt mit zwei kleinen Anschlußnippeln gebaut hat.

Und zum Schluss noch ein paar Bilder dieses Aquariums:

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