Safari in den Endau Rompin Nationalpark

Gepostet von am Jul 17, 2009 in Alle Kategorien, Reisen | Keine Kommentare

Safari in den Endau Rompin Nationalpark

Gemeinsam mit Khim und Simon von South Island Aquarium und Jason, einem Freund von Khim, habe ich eine Pflanzen-Erkundungs-Safari in Malaysia unternommen. Der Tagestrip war sehr interessant. Ich bin um 0500 Uhr aufgestanden und um 0545 Uhr losgefahren. Um 0100 Uhr nachts war ich wieder im Hotel. Unser erster Halt war ein kleiner, fast trocken gefallener Fluß, an dem Cryptocoryne schulzei vorkommt.

Es war noch dunkel und meine Kamera hat leider alle Aufnahmen geblitzt. (Ich hatte extra für diesen Trip eine NIKON D60 gekauft, in deren Benutzung ich noch etwas ungeübt bin). C. schulzei ist endemisch in der Kota Tinggi Region in Süd-Malaysia. Das bedeutet, sie wächst ausschließlich hier.

Cryptocoryne schulzei Habitat

Cryptocoryne schulzei Habitat

Laut Simon, der für die Pflanzenzucht bei South Island verantwortlich ist, ist es relativ schwer, C. schulzei zu vermehren, da sie sich schlecht an andere Bodengrundverhältnisse anpasst. Es ist wahrscheinlich den besonderen geologischen Gegebenheiten in Kota Tinggi zuzuschreiben, dass diese Pflanze nur hier vorkommt.

Leider hatte ich mein Test Set nicht dabei und konnte daher nicht bestimmen, wie die chemische Beschaffenheit des Bodens hier ist, aber laut Hildebrand ist der Boden sauer, kalkarm und nährstoffeich. Hier ist eine Bodenprobe zur gefälligen visuellen Begutachtung :)

Cryptocoryne schulzei Soil

Cryptocoryne schulzei Soil

Die Pflanze sieht Crypocoryne cordata, die wir später entdeckten, sehr ähnlich. Wir entnahmen vorsichtig einige Exemplare, tüteten sie ein und bewahrten sie in einer Styropor-Box auf. Khim hat sie später für mich eingetopft, so dass ich sie nach Deutschland mitnehmen und unter aquaristischen Bedingungen testen konnte.

Es versteht sich von selbst, dass wir nur so viele Pflanzen entnahmen, wie wir brauchten und so vorsichtig wie möglich vorgingen, um nichts zu zerstören.

Die Pflanzen an diesem Standort wachsen semi-emers und werden durch hohe Bäume beschattet. Da dies das einzige Habitat ist, was ich besuchen konnte, weiß ich nicht, ob diese Art auch in exponierteren Lagen wächst.

Cryptocoryne schulzei habitat

Cryptocoryne schulzei habitat

Die Nahaufnahme zeigt die für Cryptocorynen typische Blüte. Wie die meisten Exemplare an diesem Standort, fing auch dieses Exempar an, Blüten zu entwickeln. Die Spathaspreite ist stark gedreht. Die voll entfaltete Blüte dagegen wird geoffnet und wesentliuch heller sein. Die schwarzen, länglichen Streifen auf den Blättern sind charakteristisch für diese Art.
Cryptocoryne schulzei flower

Cryptocoryne schulzei flower

Danach war Frühstückszeit. Chinesisch.

Sobald ich dem Auto entstiegen war, wurde ich von Moskitos angezapft. Als ich bemerkte, dass keine meiner chinesischen Begleiter gebissen wurden, bemerkte Jason trocken dass die Moskitos heute wahrscheinlich keine Lust auf chinesisches Essen hätten… alles klar.

Heiße Brühe mit Fleischstückchen. Etwas leber, Innereien und Nieren mit chinesischen Gewürzen. “Ersatzteile”. Sehr schön. Da ich die Innereien schonmal gegessen hatte (und zwar in Porto/Portugal, wo dieses Gericht “Tripas” genannt wird) und ich sie schon damals eher nicht mochte, ließ ich diesen Teil des Frühstücks aus. Der Rest war lecker.

Breakfast

Breakfast

Nach dem Frühstück brauchten wir noch zwi Stunden bis zur Abzweigung in den Endau Rompin Nationalpark. Danach nur noch Offroad. Ich meine richtiges Offroad. Ohne Straße. Hatte ich noch nie vorher so gemacht. Man wundert sich, wie anstrengend das nach einiger Zeit wird. Simon’s Toyota hat ganz schön einstecken müssen. Ich habe keine Ahnung, wie Jason während dieser Tortur fast durchgehend schlafen konnte.

Auf halbem Weg machten wir einen Zwischenstopp auf einer Brücke mit richtig schönem Blick auf den Fluss.

Off-Road

Off-Road

Zu dieser Zeit wussten wir noch nicht, das uns der schlimmste Abschnitt noch bevorstand… Aber hier ist der Blick aus dem Beifahrerfenster. Postkarte, oder was…?
Malaysia

Malaysia

Vielleicht eine Inspiration für eine zukünftige Aquascape mit Titel “Malaysia”? Wer weiß…

Nicht weit von hier, unter einer anderen Brücke, fanden wir einen Bestand von Utricularia graminifolia und vereinzelten Exemplaren von Blyxa aubertii. Dieser Standort schien sich gerade erst von einer kürzlich erfolgten Störung zu erholen. Vielleicht ein Hinweis auf eine ruderale Überlebensstrategie dieser beiden Pflanzen? Nur eine Vermutung, wenn auch nicht ganz unbegründet…

Hier wächst Utricularia in flachem, fließendem Wasser in direktem Sonnenlicht. Die Blätter sahen von weiten silbrig glänzend aus, was sich bei näherer Betrachtung aber eher als ein Reflektieren des Sonnenlichtes herausstellte.

Uricularia graminifolia

Uricularia graminifolia

Genau auf der anderen Seite, in tieferem Wasser, hier etwa 60cm, fanden wir einzelne Exemplare von Blyxa aubertii. Die Blyxa Pflanzen waren auch recht weit verstreut und vereinzelt, was unseren Eindruck von einer Erholungsphase dieses Biotops verstärkte.
Blyxa aubertii

Blyxa aubertii

Ein paar Kilometer weiter fanden wir einen stehenden Tümpel mit großen Wiesen von Cryptocoryne cordata.

Als ich ins Wasser watete um einige Photos zu machen, bin ich sofort knietief eingesunken. Die Blasen, die von unterhalb der dicken Cryptocoryne-Matten aufstiegen, rochen nach Fäulnisgasen und das Substrat, in dem mein Fuß steckte, fühlte sich warm an. Endlich eine Bestätigung, dass der Boden natürlicher Biotope tatsächlich oft wärmer ist, als das umgebende Wasser…

Interessant ist allerdings, dass das aufsteigende Methangas und die gleichmäßige Wärme im Gegensatz zur Argumentation der Aquarienindustrie steht, wonach die warmen Zonen um das Heizkabel die Zirkulationim Bodengrund fördern und Fäulnis verhindern! Hmm.. vielleicht mögen Aquareinpflanzen einfach gerne warme Füße.

Cryprocoryne cordata

Cryprocoryne cordata

Es fällt außerdem auf, dass die Pflanzen in der vollen Sonne wuchsen.  Nur in Ufernähe gab es teilweise Schatten von der Uferrand-Vegetation. Die Pflanzen waren mit Algen bedeckt und bildeten außerdem offensichtlich einen Teil der Nahrung eines Tieres, das in diesem Tümpel lebt, wie zahlreiche Fraßstellen an den Blättern vermuten ließen. Wahrscheinlich ist dieses wiederum die Lieblingsspeise der hunderte von Fröschen, die sich in der Nähe lautstark bemerbar machten.

Anders als die C. schulzei, blühten die C. cordata nicht. Wir haben auch keine Entnahme gemacht, da C. cordata bei South Island Aquarium nachgezogen wird.

Kurz bevor wir den eigentlichen Nationalpark erreichten, kamen wir an einem typischen Pfahlhaus der Orang Asli, der Malyischen Ureinwohner vorbei. Dieses war auch nicht extra für Touristen aufgestellt worden, denn in diese Gegend verirren sich normale Touristen wohl niemals. Ich behaupte also, das dieses Photo Zeugnis gibt von einer typisch malayischen Behausung, die genauso echt und unverfälscht ist, wie die roten Klinker, aus denen wir in Westfalen ganze Städte bauen.

Orang Asli Stilt House

Orang Asli Stilt House

Im Endau Rompin angekommen, mussten wir uns Besucherpässe ausfertigen lassen. Wir wurden außerdem darüber aufgeklärt, dass wir keine Pflanzen mitnehmen durften. Mist. Das war’s dann mit der Safari. Egal. Der Ausflug hat sich trotzdem gelohnt; Wir wurden schließlich mit großartiger Landschaft und primärem Regenwald belohnt. Dieser Wald ist sogar älter als der Amazonas und damit der älteste Regenwald der Welt. Die Natur hier ist wirklich überwältigend und wenn man so knietief im Wassersteht und die Fische unter einem herschwimmen, dann ist das schon eine großartige Sache.

Unser Guide führte uns zum ANfang eines Fußweges durch den Wald. Das bedeutete wir mussten zuerst eine 45-minütigen Bootstransfer auf dem Sungai Andao machen. Gelegenheit zum Relaxen und einige weitere schöne Inspirationen fpr zukünftige Aquascapes.

Endau Rompin

Endau Rompin

Entlang des Weges kam Simon die Idee, er hätte Pflanzen in einem der Seitenarme des Andao gesehen. Gemeinsam mit ihm bin ich den steilen Hang herunter geklettert. Ich war allerdings immernoch dabei herauszufinden, wie ich meine Kamera trocken da herüber kriegen sollte, als Simon an mit vorbei ins Wasser sprang und auf den grünen Flecken zuschwamm, in dem wir hoffnungsvoll einen Bestand Aquarienpflanzen sahen. Dummerweise handelte es sich hierbei um Algen… tcha. Ich habe das Schwimmen dan auf später verschoben. Hier noch ein Photo von Simon, wie er “Das Ding aus dem Sumpf” spielt.

Only algae

Only Algae!

Obwohl wir leider keine aquarientauglichen Pflazen fanden, hat Khim einige Moose entdeckt. Es stellte sich allerdings später heraus, dass diese Moose nicht submers wachsen können. Pech gehabt.

Moss

Moss

Da meine Stiefel vom ständigen durchwaten kleinerer und mittelgroßer Flüsse und Bäche mittlerweile komplett durchnässt waren, bin ich zum Schluss nur noch barfuß gegangen. Ich hatte Glück, dass das einzige, was mich biss ein Blutegel war. Nachdem wir diesen kleinen Kerl hier nur knapp verfehlten, habe ich meine Schuhe dann wieder angezogen. Vielleicht kann mir ja ein Herpetologe mal sagen, um welche Art es sich hier handelt. Unser Guide hat jedenfalls behauptet, diese Art sei giftig.

Snake

Snake

Irgendwann kamen wir dann an einem Wasserfall raus und konnten kurz ausruhen. Hier ist der Blick auf die Szenerie, die sich uns bot:

Waterfall

Waterfall

Leider habe ich beim Passieren eines der vielen kleinen Bäche mein Telefon zu lange gewässert. Gut, dass mein neues iPhone bald kommt….

Das war’s im großen und Ganzen. Ich werde einige Cryptocoryne schulzei mit nach Deutschland nehmen und ausprobieren. Ich werde bei Zeiten berichten, wie sie sich so als Aquareinpflanzen machen…

Ach und hier ist natürlich noch die Karte unseres Trips. Danke, Google Earth.

Tour-Map

Tour-Map

 


Copyright der Bilder

Bild 1-16 : Stephan Mönninghoff
Bild 17: Google Earth

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